Im Mai 1986 erster Minister-Besuch
auf der Felsburg.
Nur Unkenntnis schützt vor
Bewilligungen! Damit hat alles angefangen.
Nur Unkenntnis schützt vor
Bewilligungen - das hat der damalige Hessische Finanzminister
Hans Krollmann am 30. Mai 1986 ins Gästebuch des Burgvereins
geschrieben.
Zusammen mit seiner Frau Uschi und
seinem persönlichen Referenten Hans Bauer war Krollmann auf die
Burg gekommen. Der damalige 1. Vorsitzende, Dr. Bernd Ruhl,
Burgwart Walter Hentschker und Manfred Schaake appellierten an
Krollmann: “Bitte helfen Sie uns bei der dringend notwendigen
Instandsetzung.” Krollmann bestieg mit seiner Frau den Turm und
war fasziniert. Was auch Hentschkers Charme zu verdanken war,
den er später noch bei so vielen Politiker-Besuchen einsetzte.
“Ich helfe Euch”, verabschiedete sich Krollmann.
Schon ein Jahr vorher hatte der
damalige Direktor der Verwaltung Staatlicher Schlösser und
Gärten, Dr. Kai R. Mathieu, Manfred Schaake gebeten, zu helfen:
“Wir müssen mit dem Projekt in den Landeshaushalt kommen. Sie
haben doch auch Beziehungen zu den Politikern unterstützen Sie
uns bitte.”
Krollmanns Besuch sollte der
Einstieg sein. Dann wechselte im Frühjahr 1987 die Regierung und
Minister Krollmann schied aus dem Amt. Als
SPD-Landtagsabgeordneter kam er am 20. September 1987 erneut auf
die Burg. Sein Eintrag ins Gästebuch: “Was lange währt, wird
endlich gut. Seit Mai 1986 erstes Wiedersehen. Kompliment dem
Burgverein, steter Tropfen höhlt den Stein. Deshalb werden wir
uns weiter gemeinsam um die Runderneuerung bemühen.”
Schon einen Tag später sollte
deutlich werden, dass die Burg eine überparteiliche Baustelle
werden würde. Alfred Schmidt (FDP), Wirtschaftsminister in der
Regierung von Ministerpräsident Dr. Walter-Wallmann (CDU), war
unserer Einladung gefolgt. Manfred Schaake hatte auf dem
Hessentag in Melsungen den Malermeister aus Kassel und den
FDP-Abgeordneten Dieter Posch angesprochen.
Auch Schmidt war fasziniert von
unserem Engagement und schrieb: “In der Absicht, tatsächlich zu
helfen, habe ich mir die Burg und die Anlagen angesehen. Beim
nächsten Besuch will ich schon geholfen haben. Alles Gute.”
Tatsächlich kam das Vorhaben in
Gang. Mit der Sanierung des Turms am Haupteingang begannen 1988
die Bauarbeiten. Die FDP-Landtagsabgeordnete Ruth Wagner, die
uns später als Ministerin unterstützte, schrieb 1991:
“Politischer Wille erst ermöglicht Bewilligungen - weitere
Unterstützung signalisiert.”
Ab 1991 hatte eine rot-grüne
Regierung mit Hans Eichel an der Spitze das Sagen in Hessen.
Diese Regierung und der spätere Abgeordnete Günter Rudolph
sorgten Mitte der 90er-Jahre für den großen Durchbruch. Das Geld
war mal wieder alle, und es drohte der endgültige Baustopp.
Dass es dazu nicht kam, ist auch der
Großen Felsburg-Koalition im Landtag zu verdanken. 1992 schrieb
die leider so früh verstorbene CDU-Abgeordnete Karin Schmidt aus
Treysa in unser Gästebuch: “Dass die Zeitzeugen der
Vergangenheit auch für die Zukunft beispielhaft bleiben, sollte
alle politischen Kräfte bündeln, den Erhalt voranzutreiben. Wir
danken dem aktiven Burgverein für sein langjähriges Engagement.
Was in unseren Möglichkeiten liegt, werden wir tun.”
1992 erstrahlte zum Advent erstmals
wieder die Burgbeleuchtung. Der Bergfried war nach über
dreijähriger Bauzeit saniert. 1994 ging die Instandsetzung des
einsturzgefährdeten Kellers erfolgreich zu Ende. Die Freude
darüber wurde getrübt durch neue, schwere Schäden an der
Nordmauer.
1996 war das Geld so knapp, dass
noch nicht einmal die Platten auf dem Burgkeller gelegt werden
sollten. Das hat der Burgverein gerade noch erreichen können.
Und er hat erreicht, dass am 24.
Januar 1997 der damalige Finanz-Staatssekretär Dr. Harald Noack
auf die Burg kam: “Die Stadt und die Burg sind Kleinode. Die
Arbeit des Burgvereins ist unbezahlbar. Herzlichen Dank und
alles Gute.”
Am 9. Mai 1997 besuchte uns auch
Finanzminister Karl Starzacher (SPD). Mit einem herzlichen
Frisch Auf versicherte er: “Auch wenn das Geld in den
öffentlichen Kassen knapp ist: Das Land wird die schöne Burg und
die Mitglieder des Vereins, die sich in so besonderer Weise um
die Burg verdient machen, nicht im Stich lassen. Als
Finanzminister jedenfalls werde ich die notwendigen
Voraussetzungen im Landeshaushalt schaffen.”
Die größten Bauabschnitte - darunter
die Nordmauer und die Südmauer - begannen 1998. Ein Politiker
hat Wort gehalten. Es war eine glückliche Fügung, dass das
Arbeitsbeschaffungsprogramm der Grafen von Felsberg unter der
CDU/FDP-Landesregierung unter Leitung von Roland Koch
erfolgreich beendet worden ist. Dafür hat sich der Verein am 31.
März 2004 bei Finanzminister Karl-Heinz Weimar herzlich bedankt.
Der besichtigte mit dem Abgeordneten Mark Weinmeister die Burg.
Und beide würdigten das Engagement des Burgvereins.
Dass in all den Jahren die Nerven
aller gehörig strapaziert worden sind, versteht sich am Rande.
Und schon am 31. Juli 1999 hatte der damalige
Wirtschaftsminister Dieter Posch formuliert: “Was lange währt,
wird zwar gut - aber strapaziert die Nerven, nicht nur die des
Burgvereins. Diesem vielen Dank! Verbunden mit der Hoffnung, zur
Beschleunigung beitragen zu können. Das Engagement des
Burgvereins ist einmalig.”
Der weiße Spargel
Oder: Der weiße Leuchtturm im
Edertal.
So oder so ähnlich ist über den
Bergfried gelästert worden, als Ende 1992 die Hüllen gefallen
waren. Mehr als drei Jahre hatten die Bausanierer und
Denkmalpfleger den Butterfassturm fest im Griff.
Der ist aber keinesfalls weiß
getüncht, wie kürzlich in der Zeitung zu lesen war. Nein. Das
historische Gemäuer ist verputzt - in den Farben des damals
verwendeten Kalkmörtels. Weiß war er nie.
Schwefel und andere Umwelteinflüsse
hatten den Mörtel des Turms, aber auch den im oberen Teil
verwendeten Sandstein schwer geschädigt. Allein vom oberen Turm
rieselten jedes Jahr mehrere Schubkarren-Ladungen herunter - das
sah aus wie feiner Wüstensand.
Verputzen - so lautete das Urteil
der Fachleute. Nachdem die Presse darüber berichtet hatte, wurde
viel gemeckert. Allerdings nur am Stammtisch und auf dem
Zahnarztstuhl des damaligen Vorsitzenden Dr. Bernd Ruhl. Eine
angedrohte Bürgerinitiative gegen das Verputzen gab es nicht.
Auch keinen einzigen Leserbrief in der Tageszeitung.
Dr. Ruhl und sein Vertreter, Manfred
Schaake, waren sich einig: “Der Verein meckert nicht. Er ist
froh, dass der Turm endlich saniert wird und hat volles
Vertrauen in die Fachleute.” Heute kann man hoffen, dass der
Turm für mindestens 100 Jahre gesichert ist. Wenn dann der Putz
abfallen sollte, dann ist irgendwann immerhin der Zustand des
Jahres 1989 erreicht. Im oberen Teil wurden vor dem Verputzen
alle fehlenden Stellen bis ins letzte Detail mit
Sandstein-Ersatz ausgebessert. Eine Arbeit, die fast der eines
Zahnarztes gleicht. Denkmalschutz in höchster Vollendung.
Zur Farbe: Darüber haben die
Experten lange beraten. Es hat immerhin zwei Jahre gedauert, bis
sie sich auf den gewählten Farbton geeinigt hatten. Seit 1992
ist die Farbe schon viel dunkler geworden. Zusammen mit dem
Mauerwerk und dem hellen Kalkmörtel ergibt sich ein schönes
Gesamtbild.
Übrigens: In der Farbe des Turms
sind beispielsweise die Orangerie in Kassel und das Museum
Fridericianum gestrichen. Auch das Landgrafenschloss in
Rotenburg hat diesen Farbton.
Felsburg-Geld in die
Stiftsruine umgeleitet
Posch: Ohne Burgverein gäbe es keine
Felsburg mehr
September 1996:
Finanz-Staatssekretär Dr. Harald Noack feiert in Bad Hersfeld
das Richtfest für das neue Gebäude der Polizeidirektion
Hersfeld-Rotenburg. Beim Festakt verkündet er, noch eine
erfreuliche Nachricht für Bad Hersfeld zu haben. Das Land Hessen
stelle kurzfristig 100 000 Mark für dringende
Instandsetzungsarbeiten an der Stiftsruine - ein Stück Mauer war
heraus gebrochen - zur Verfügung.
Das bringt Manfred Schaake auf die
Palme. Denn er hatte erfahren, dass genau dieser Betrag aus dem
Titel “Schlösser und Gärten” in Felsberg abgezogen und nach Bad
Hersfeld umgeleitet worden war. Dabei bestand auch in Felsberg
dringender Bedarf.
Er sprach Noack freundlich an. Er
wusste nichts von der Umwidmung des Felsburg-Geldes. Eine Woche
später rief er an: “Sie haben Recht. Wir helfen Ihnen trotzdem.”
Im Januar 1997 dann kam Noack nach Felsberg, im Mai sein
Minister. Die Aktion war letztlich für Felsberg erfolgreich.
Kurios: 1996 wurde das Gerüst aus
dem Keller entfernt, obwohl es noch benötigt wurde. Weil aber
damals das Geld für Hersfeld bestimmt worden war, verband man
dem Baustopp für Felsberg mit der Demontage des Gerüstes. Dass
zusätzliche Kosten entstanden, weil es später per Hand wieder
montiert werden musste - es interessierte niemanden. Es ärgerte
nur den Burgverein.
Immer wieder hakte es. Immer wieder
gab es Unterbrechungen. Immer wieder haben wir die heimischen
Landtagsabgeordneten um Unterstützung bitten müssen. Zuletzt
2003. Wieder Baustillstand. Der FDP-Abgeordnete Dieter Posch
schrieb an die Minister Karlheinz Weimar und Udo Corts, er sei
“äußerst enttäuscht”. Er erinnerte an das Versprechen des
Staatsbauamtes, die Burg zum 1. Juli 2003 zu übergeben. Posch
machte einmal mehr Druck. Mit Erfolg. Auch wenn die Übergabe
eineinhalb Jahre später stattgefunden hat. Den Ministern hat
Posch damals geschrieben: “Ohne diesen Burgverein gäbe es, diese
Prognose wage ich zu formulieren, keine Felsburg mehr.” Eine
schöne Anerkennung unserer Arbeit.
Burgsanierer mit Herzblut
Baustelle mit eineinhalbjähriger
Verspätung übergeben
Felsberg, Freitag, 26. November
2004. Dichter Nebel liegt über dem Edertal. Während fleißige
Mitglieder des Burgvereins auf dem Marktplatz die letzten
Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt treffen, besteigen
Mitarbeiter des Hessischen Baumanagementes und der Verwaltung
der Schlösser und Gärten den Turm der Felsburg. Wie bestellt,
kommt gegen 12 Uhr die Sonne raus, vertreibt das triste
November-Grau. Ein gutes Omen für die Burg, für Felsberg, für
den Burgverein.
Am 26. November 2004, eineinhalb
Jahre später, als vom Staatsbauamt Schwalmstadt - heute
Hessisches Baumanagement - ursprünglich versprochen, wird die
Burgruine der Verwaltung der Schlösser und Gärten übergeben. Es
ist ein symbolischer Abschluss der Bauarbeiten, die 1988
begonnen hatten und wegen fehlenden Geldes immer wieder
unterbrochen werden mussten.
Ende gut, alles gut. Bis auf kleine
Restarbeiten sind die Bauarbeiten erfolgreich beendet worden -
wenn auch mit der erwähnten Verspätung. “Diese Burg ist uns ans
Herz gewachsen”, sagt Bauoberrat Karl-Heinz Krombach, der Leiter
der Schwalmstädter Behörde. Die hat die umfangreichen Arbeiten
koordiniert. Und bei der Übergabe klingt an, dass auch viel
Herzblut der Verantwortlichen in die ehemalige Großbaustelle
geflossen ist.
“Wir sind ein bisschen stolz”, sagt
Krombach. Er beschreibt, dass es eine schwierige Baustelle war.
Eine Baustelle mit Tücken. Mehrere Mauerabschnitte waren akut
einsturzgefährdet. Sie mussten vor Beginn der Bauarbeiten mit
Spezialgerüsten gesichert werden.
“Wir sind glücklich, dass alles
fertig und so gut gelungen ist”, sagen die Vertreter des
Burgvereins. der vor 120 Jahren gegründete Verein ist von Anfang
an Partner des Staates. Mit der Schlösserverwaltung hat der
Verein einen Betreuungsvertrag.
Der neue Direktor der
Schlösserverwaltung, Karl Weber, und der Direktor des Hessischen
Baumanagementes, Christian Adamski, genießen erstmals den
wunderbaren Blick vom Turm hinaus ins Edertal und in den
Chattengau. Weber, Adamski und Krombach loben die gute
Zusammenarbeit mit dem Burgverein. Der habe die Bauarbeiten
stets kritisch, aber konstruktiv und mit vielen guten Anregungen
begleitet.
Sie lassen nicht unerwähnt, dass der
Verein oft Druck gemacht hat. “Immer, wenn ich mal wieder zum
Finanzminister musste, war mit klar, dass der Verein seine
politischen Beziehungen wieder hatte spielen lassen”, sagt
Adamski scherzend. Und Dr. Thomas Ludwig von der
Schlösserverwaltung lobt: “Der Burgverein ist ein wertvoller,
unverzichtbarer Partner.” Die Herren von der Schlösserverwaltung
verschweigen nicht, dass der Druck aus Felsberg auch notwendig
war. “Es war konstruktiver Druck”, sagen die Männer des
Burgvereins. Druck, der positiv viel bewegt hat. Grund genug,
ein Fest zu feiern unter dem Motto: Der Burgverein sagt Danke.
Ohne uns stünden Sie heute nicht
hier, meine sehr verehrten Herren. Ich habe mich erst vorige
Woche bei Bundesfinanzminister Hans Eichel dafür bedankt, dass
es ihm damals, als er Hessischer Ministerpräsident war, nicht
gelungen ist, uns die Felsburg für eine Mark zu schenken.
Zitat von Manfred Schaake